Unsere Gruppe bestand im Kern aus zwei (fast) Lehrern, einer Designerin und mir. Wir hatten das Ziel uns einfach von einem interessanten Punkt zum nächsten Treiben zu lassen. Nach der großen Schiffshalle zog es uns zum Bergbau in den Keller. Zügig erkundeten wir das Labyrinth der Minen, fühlten wir mit den Bergbauern (vor allem im 19. Jahrhundert) mit und wunderten uns zunächst nur über die veralteten und etwas schwerfälligen Schilder (vielleicht ist es ja pädagogisch gewollt, dass man die englische Übersetzung braucht um eine halberhaltene Haspel als Winde zu erkennen.
Bei der Optik angekommen, haben wir fast vergeblich nach lustigen Spielen, bunten Knöpfen und anschaulichen Beispielen gesucht - wurden aber auch von der zwei Uhr Vorstellung im Hochspannungslabor gestört, zu der wir uns mit den anderen wieder treffen wollten.
Voller Erwartung warteten wir auf Blitz und Donner und wurden von der Technik nicht enttäuscht. Der Museumsführer hätte aber genauso gut einen Yogakurs geben können. Im monotonen Charme der münchnerischen U-Bahnfahrer leierte er seinen Vortrag herunter. Höchstens jedes vierte Wort konnte man aus seinem Genuschel erkennen und mal die zahlreichen Kinder einzubeziehen, daran hat er gar nicht gedacht. Wohl aber an die Warnung "Achtung, es könnte laut werden, halten sie ihren Kindern die Ohren zu" und los. Ein Vater hat tatsächlich zu fliehen versucht, er konnte genau noch seinen Kinderwagen um 90 Grad drehen, da fing der Lärm auch schon an und er entschied sich lieber seinem kleinen Sohn die Ohren zuzuhalten als sich weiter durch die Menge zu kämpfen und einen Tinitus zu riskieren... Die Schilder, die schon von vorneherein auf den Lärm aufmerksam gemacht haben, haben wir später beim hinausgehen doch noch entdeckt - viel zu klein, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Noch haben wir aber geschmunzelt und uns weiter auf Entdeckungsreise gemacht. Vor dem einzelnen Musikzimmer haben wir einen Säure-Basen-Test gefunden - ohne Flüssigkeiten, in der Abteilung Atomphysik warteten viele Schautafeln mit viel Text und noch mehr mathematischen Formeln auf uns und in der Astronomie konnte man gerade mal zwei Sterne zum leuchten bringen. Dafür stießen wir in rauen Mengen auf Knöpfe ohne Nutzen, Dingen außer Betrieb, leere Schaukästen und vom Zahn der Zeit angenagte Schilder.
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Sind wir früher nicht von einem aufregenden Ort zum nächsten gehüpft und waren traurig, dass wir nie alles an einem Tag schaffen konnten? Langsam zweifelten wir am pädagogisch wertvollen Idealbild, dass über Jahre in unseren Köpfen entstand.
Immerhin waren die Film und Fotoabteilung mit holographischen Touchscreens, die Nebelkammer bei Atomphysik und das mathematische Puzzlezimmer Lichtblicke im Altertum der museal-pädagogischen Aufbereitung (hinzu kommt vom Hörensagen die nagelneue Nanotechnikabteilung und die Mechanik).
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Kinderfreundlichkeit war dennoch ein anderes Thema. Mit meinen knapp 1,60m würde ich mich natürlich als kleiner als der Durchschnitt ansehen, aber trotzdem größer als die meisten Kinder. Als ich mir aber das "unmögliche Dreieck" von Escher ansehen wollte und ich nach Suchen auch die Öffnung gefunden hatte, hätte mir nur noch ein Stuhl helfen können, einen Blick darauf zu werfen.
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Da wir im Seminar gerade über die Öffnung der Wissenschaft geredet hatten, fand ich den Zustand des wohl bekanntesten Museum Deutschlands sogar noch beklagenswerter... Wäre das Museum eine Wohnung, ich wäre sicher, die Bewohner hätten Anspruch auf Sozialhilfe. Ein paar neue Schautafeln und Geräte, die Wartung der interaktiven Knöpfe und einfachen Maschinen (nicht einmal die Waage hat funktioniert) sowie eine pädagogische Schulung des Personals würde schon helfen.
Als ich nun gelesen habe, dass das Deutsche Museum immerhin eine Staatsförderung von 29 Mio. Euro bekommt habe ich mich ein bisschen beruhigt. Doch das läuft schon fast ein Jahr und momentan sieht es so aus, als würden sie zwar tolle neue Abteilungen wie Nanotechnologie bauen, die alten aber weiterhin vernachlässigen. Schließlich sind für eine komplett Renovierung 400 Mio. veranschlagt. Mal schauen ob Generaldirektor Prof. Heckl als neuer Lehrstuhlinhaber für Wissenschaftskommunikation damit voran kommt.